Get Adobe Flash player

Ein Überseekoffer voller Ideen

19.11.2013 Kastel Allgemeine Zeitung

Von Silvia Dott

Tobias Christian Mayer im Lilienpalais

„Keine Angst vor dicken fetten Tieren – aber der Reiher sagt zum Barsch im Maul: ‘Tut mir leid, es ist eben Mittagszeit.’“ Fressen und gefressen werden – so und nicht anders ist das Leben. Und das ist für den armen Poeten Tobias Christian Mayer wirklich hart. Zu flotter Akkordeonmusik sang der „selbstständige Künstler“ am Freitagabend im voll besetzten Lilienpalais amüsant-spitzfindige Lieder davon. Tobias Mayer ist nun schon zum vierten Mal in dem bekannten Kasteler Eventroom. „Da muss er ja bald die goldene Lilie am blauen Band bekommen“, scherzte Palais-Chef Harald Kauth bei der Begrüßung. Auch diesmal hatte der Comedian Mayer aus Ginsheim, wohnhaft und arbeitend in Pfaffenhofen (Bayern), einen schweren Überseekoffer voller verrückter Ideen mitgebracht.

Mayer beherrscht die Kunst, allein durch seine Mimik und skurrile Körpersprache Texte zu emotionalisieren. Einfache Dinge oder Sachverhalte werden plötzlich witzig, hintergründig, listig, bösartig, lustig oder auch gruselig und dämonisch.

Weiterlesen...

Dreister Diebstahl im Fastnachtsmuseum

13.11.2013 - KASTEL Allgemeine Zeitung

Von Silvia Dott

Lilien Palais präsentiert gelungene Eigenproduktion / Für die Zuschauer gibt es einiges zu lachen


Da hat die fesche Rosi was zu lachen: Detektiv Karl Napp, das Bretzelsche und der Führer vom Fastnachtsmuseum laufen herum wie aufgescheuchte Hühner. Das Trio sucht den Missetäter, der das Fastnachtsmuseum bestohlen hat und jetzt auch noch erpresst. Geklaut wurden die Weltkulturgüter "die Scherz vom Ernst Neescher" und die "Geisch" vom Geigerfränzje, was aber nur die Spitze des Eisbergs ist. Am Montagabend, dem 11. November, präsentierte das Lilien Palais eine seiner legendären Eigenproduktionen: "Tatort Mainz".

Der Chef der Kleinkunstbühne, Harald Kauth, und die Schauspielerin Marie Luise Thüne haben den Roman von Briefzusteller Dieter Schmidt "Narhallamarsch" mit leichter Hand zum Bühnenstück umfunktioniert.

Ausverkaufter Saal

Der Saal ist ausverkauft. Beim Mainzer Teller mit Handkäse ist die Stimmung fulminant. Vorhang auf: Wir sind im "Ferzje", einer bekannten Altstadtkneipe. Wirtin Rosi (die unvergleichliche Marie Luise Thüne) klagt ihrer heimlichen Liebe, Karl Napp, (der sagenhafte Harald Kauth) ihr Leid: "Mei Gäst, die sterbe all weg!" Und auch der letzte der Getreuen, der Schorsch, der ist nun tot. In der Schublade häufen sich die unbezahlten Rechnungen. "Money, Money, ich brauch Money", singt die Rosi traurig den ABBA-Hit. Der Carneval Verein Mainz hat die Wirtin obendrein rausgeschmissen, aber sie hat sich rückversichert. Sie hat ein Bild, worauf alle vom CVM und noch andere bekannte Meenzer "dodal naggisch sin". Männlein, wie Weiblein. Da lacht der Kall und das Publikum johlt vor Begeisterung.

Weiterlesen...

Männertrio Vollmund offenbart sich im Lilienpalais

14.10.2013 - KASTEL Allgemeine Zeitung

Von Norbert Fluhr

„Wir Männer... sind schon die Liebe wert!“ – Eine Gebrauchsanweisung für das Mysterium Mann? Mitnichten, denn mit ihrem provozierend klingenden Programm weiß das Wiesbadener Künstler-Trio „Vollmund“ durchaus auch die Frauenwelt zu begeistern. Im Lilienpalais stießen Michael Senzig, Micki Bertling und Friedel Anschau am Freitagabend mit ihrem Programm keinesfalls auf verbalen Widerstand beim vermeintlich schwachen Geschlecht.

Versöhnliche Amazonen

Wenn gestandene Mannsbilder schonungslos ihr bisher wohlbehütetes Innenleben offenbaren, zeigen sich dominante Amazonen versöhnlich. Kein Zweifel: Männer brauchen Geborgenheit und Zärtlichkeit, und Herbert Grönemeyer machte in seinem Kultsong „Männer“ deutlich, dass seine Geschlechtsgenossen „außen hart und innen weich“ sind. Männer sind „verletzlich – vor allem unersetzlich“. Die Adonis-Epigonen sind aber auch die „Krone der Schöpfung und der Nabel der Welt“.

Männer ticken anders als Frauen. Das führt im Alltag zu Missverständnissen. Wenn die Angebetete sich darüber beklagt, dass der Mann die dreckigen Socken einfach liegen lässt, liegt dies an den Genen des starken Geschlechts: „Dinge, die kleiner sind als ein Büffel, haben für den Mann keine relevante Bedeutung.“ Gleichwohl ist klar, dass der Mann schon eine „eigene Spezies“ ist – die Ausnahme ist hier die Regel. Und das scheint das Zusammenleben zu erschweren.

Da hat sich ein kongeniales Männer-Trio auf der Bühne zusammengefunden: Mit augenzwinkernder Ironie weiß Schauspieler Micki Bertling zu überzeugen, während Tenor Michael Senzig mit betörendem Hüftschwung und herrlichem Schmelz in der Stimme die Frauenwelt anschmachtet. „Männer sind alle Verbrecher, aber lieb sind sie letzten Endes doch.“ Im Duett wetteifern Bertling und Senzig um die Gunst der Amazonen. Senzig holt für seine fiktiven Partnerinnen „vom Himmel das Blau“, während sein Partner im Stil von Elvis Presley seine Ballade „Are you lonesome tonight?“ schmachtet. Mit dem Anbaggern ist das so eine Sache: Mit einem melodiösen „How do you do?“ ist bei der Damenwelt von heute sicherlich kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Komödiantisch geriert sich auch Pianist Friedel Anschau, der mit seinem Mittelscheitel den Typ des Muttersöhnchens mimt.

Jammerlappen ist ein No-Go

Frauen fliegen nicht auf alle Männertypen: Der Kavalier gibt sich zwar „possierlich“, wirkt aber fast peinlich. Die mitgetragene Pralinenschachtel symbolisiert schließlich eine „Ersatzbefriedigung“. Kein Zweifel: Mann ist nicht gleich Mann, man muss das starke Geschlecht „in Untergruppen aufteilen“. Für die Damen ein Problem. Männer sind zur Domestizierung „durchaus geeignet“. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob der Angebetete der Richtige für das Leben ist oder nur „zur persönlichen Behausung dient“. Womanizer scheinen für manche Frau unwiderstehlich, der Workaholic hat sicherlich auch seine Reize. Ein absolutes No-Go ist aber der Jammerlappen, der sich von morgens bis abends über die Frauen beklagt. Bei den Männertypen sollte auch der vermeintliche Feigling nicht von vornherein verschmäht werden. Schließlich ist er nur ein „Meister der Vermeidung“.

Auch Frauen sind nicht ungefährlich – das wusste schon Giuseppe Verdi, als er seine Oper „Rigoletto“ komponierte. Und so beklagt Tenor Senzig seine seelische Empfindung, wenn er die Arie des Herzogs von Mantua singt: „O wie so trügerisch sind Weiberherzen“. Und auch der französische Chansonnier Charles Aznavour musste aufgrund der „schlampigen Figur“ seiner Partnerin erkennen: „Du lässt dich geh’n“. Trost bietet da nur der gemeinsame Toilettengang. Wer hier anrüchige Gespräche vermutet, wird eines Besseren belehrt. Am Urinal lässt das komödiantische Trio das „rauschende Bächlein“ Franz Schuberts erklingen: „So silbern und hell, eilst zur Geliebten so munter und schnell.“

 

Komiker Andy Ost zu Gast im Kasteler Lilien-Palais

07.10.2013 - KASTEL Allgemeine Zeitung

Von Alexander Weiß

Von einer „Bombenstimmung“ am Vorabend sprach Veranstalter Harald Kauth, als er am Samstag die Gäste im ausverkauften Lilien-Palais begrüßte und zugleich den Auftritt des regionalen Comedy-Schwergewichts Andy Ost ankündigte. Dieser gastierte bereits am Freitag mit seinem Programm „Ein Quantum Ost“ auf der Kasteler Kleinkunstbühne. Aufgrund der großen Nachfrage setzten die Betreiber für den darauffolgenden Tag einen Zusatztermin an. Die Mischung aus Comedy, Kabarett und Musik fügte sich dabei zu einem gelungenen Cocktail, der gut geschüttelt und auch etwas gerührt war.

Bekannt durch Fastnacht

Ost, der besonders durch seine Auftritte während der Fastnacht mit seinen Lindenberg- oder Grönemeyer-Parodien bekannt wurde, bewies am Samstag, dass er auch außerhalb der „fünften Jahreszeit“ eine große Anhängerschaft hat.

Der junge Komiker schaffte es dabei durch seine positive Grundhaltung, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

„Was für eine tolle Stimmung und nur lachende Gesichter“, sagte Ost, nachdem er die Bühne betreten hatte. „Dabei gibt es ja eigentlich in diesen schwierigen Zeiten überhaupt keinen Grund zum Fröhlichsein. Es laufen gerade Koalitionsverhandlungen und eines ist sicher: Merkel bleibt Kanzlerin und die Steuern werden erhöht. Da frage ich mich, was als Nächstes kommt. Eine Maut auf Radwegen oder vielleicht müssen bald Überstunden abgearbeitet werden?“

Auch das Bahn-Chaos um den Mainzer Hauptbahnhof ließ Ost nicht kalt. Frei nach dem Schlager von Christian Anders hing sich Ost seine Gitarre um und zupfte die ersten Akkorde: „Es fährt kein Zug von Mainz am Rhein“, sang er und löste eine Welle der Begeisterung im Lilien-Palais aus.

Ob am Klavier oder mit der Gitarre, sobald es musikalisch wurde, stand das Publikum beinahe auf den Tischen. Ost bewies immer wieder sein Improvisationstalent, wenn er während seines Programms mit den Gästen in einen Dialog trat. Alltagssituationen und gesellschaftliche Entwicklungen nimmt Ost stets mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis. „Ich war etwas verwundert, als Ronald Pofalla die NSA-Affäre kurzerhand für beendet erklärt hat. Ich meine, seit wann bestimmt die Wurst, wann gegessen wird?“

Auch Rüpel-Rapper Bushido musste sich einiges gefallen lassen. „Ich kann es schon verstehen, wenn manche Menschen sagen, der ist so blöd, der trifft das Wasser nicht, wenn er aus einem Boot fällt. Wenn Bushido ein gelungenes Beispiel für Integration sein soll, dann ist auch Venedig ein gelungenes Beispiel für Hochwasserschutz.“ Andy Ost widmete sich aber auch seiner privaten Situation. „All you need is Schlaf“, sang der Mann, der erst kürzlich Vater einer Tochter geworden ist, auf den berühmten Beatles-Hit. Völlig neben sich habe er gestanden, als er die frohe Botschaft erhielt, Vater zu werden. „Ein Freund hat kurz danach zu einem Umzug eingeladen. Ich war der Einzige, der verkleidet kam.“