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Musikkabarettist Tobias Mayer präsentiert im Lilienpalais in Kastel sein Programm „Auszug“

12.10.2016 Kastel Allgemeine Zeitung

Von Björn Schneider

Ein „Wiederholungstäter“, wie Lilienpalais-Inhaber Harald Kauth ihn ankündigte, sorgte auf der Kasteler Kleinkunstbühne mit einer vielseitigen Mischung aus Musik und Kabarett für Abwechslung und lachende Gesichter: Tobias Christian Mayer, der Musikkabarettist aus Ginsheim.

„Wir freuen uns, dass er einmal im Jahr bei uns ist“, sagte der Palais-Chef Kauth. Schon viermal spielte der Mann mit dem Akkordeon, das den liebevollen Namen „Laila“ trägt, in dem Kasteler Eventroom.

Gepackte Koffer stehen immer bereit

Mayer ist ein Getriebener und ständig auf Reisen, die gepackten Koffer stehen immer bereit. Was auch daran liegen könnte, dass der Ginsheimer kaum etwas so intensiv betreibt wie das Wechseln seiner Wohnung – zugegeben, nicht immer ganz freiwillig. Das machte schon sein erfolgreiches letztes Programm deutlich, in dem er von einem Immobilienhai berichtete, der ihn aus seiner Münchner Dachgeschosswohnung raus haben wollte.

Um das ständige um-, ein- und wieder ausziehen geht es in seiner aktuellen Show „Auszug“. Mit viel Wortwitz, lausbübisch-spitzfindigem Charme und natürlich unter Einsatz seines geliebten Akkordeons, das überall dabei ist, lieferte er 80 Minuten lang einen Einblick in das chaotische Leben eines Getriebenen.

 

Mit verschmitzem Grinsen zwischen den Kartons

„Letztes Jahr bin ich mindestens 20 mal umgezogen“, sagt Mayer, dem man das auf Anhieb glaubte, wie er da so auf Bühne zwischen all den Kartons stand und mit einem verschmitzten Grinsen von seinen Umzügen berichtete. Zwischendurch gab es immer wieder mit einem Augenzwinkern servierte, fröhliche Lieder, die beim Publikum für gute Laune sorgten und zum gemeinsamen Schunkeln animierten. Das Publikum setzte sich an jenem Abend aus vielen Ginsheimern zusammen. Für Mayer also eine Art Heimspiel im voll besetzten Palais. „Schon wieder nehm’ ich meinen Hut, schon wieder sag ich mir: Hab Mut’“, reimte er in einem seiner Lieder und kommentierte seine vielen Tapetenwechsel.

Schon in dutzenden „Etablissements“ habe Mayer mittlerweile in seinem Leben gewohnt. Unter anderem in einer Fabrikhalle, die er sich mit 15 anderen Künstlern teilte. Dort waren sie aber nicht die einzigen Bewohner. „Wir akzeptierten das Wohnrecht einer Rattenfamilie auf Lebenszeit.“

Ein besonders skurriles Erlebnis sei die Zeit in einer WG mit vier IT-Profis gewesen. Kommunikation war dort an der Tagesordnung – aber nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern über Skype, What’s App und andere digitale Dienste, selbst wenn man sich im gleichen Raum aufhielt.

Nicht die einzigen prägenden Erlebnisse während seiner Münchner Zeit: Mayer, der seine Witze und Sketche gekonnt in die sich reimenden Musikstücken über gleiten ließ und sie musikalisch „weiterverarbeitete“, wusste einiges zu berichten: Von tausenden von Jobs („dort muss man jeden Scheiß annehmen, um zu überleben“), über die horrenden Mietpreise bis hin zu unzähligen WG-Castings („Früher nannte man das: Bewerbungsgespräch.“). Mayer: „Dort zu wohnen, ist wie Krieg.“