Get Adobe Flash player

Humor-Kraftpaket Woody Feldmann überzeugt im Kasteler Lilien-Palais mit Spontanität und selbstironischer Gala

01.10.2016 Kastel Allgemeine Zeitung

Von Björn Schneider

Bereits 90 Minuten vor Woody Feldmanns Auftritt öffnete das Lilien-Palais seine Pforten. Bis zum Beginn überbrückten die Besucher mit Weinspezialitäten oder deftigem Fleischsalat problemlos die Zeit. Feldmann hat sich mit ihren Programmen, in original hessischer Mundart vorgetragen, im Laufe der Jahre eine große Fan-Basis erspielt, oder besser: „erbabbelt“.

Komplizierte Beziehungen zwischen Mann und Frau

Das war auch im bis auf den letzten Platz gefüllten Lilien-Palais, die Kleinkunstbühne im Kasteler Ortskern, zu spüren. Einige Zuschauer kamen extra aus Koblenz und Worms, um die Griesheimer Entertainerin live zu erleben. Gekleidet in einen schwarzen Anzug mit einer weißen Fliege, dazu glänzend schwarze Lackschuhe, hatte sich Feldmann für ihr Gastspiel in Kastel ordentlich herausgeputzt.

Feldmann präsentierte sich den Abend über gewohnt spitzzüngig und schlagfertig. Mit ihren teils deftig-bissigen, aber stets aus dem Leben gegriffenen, beschwingten Scherzen traf sie den Nerv der Zuschauer. Oft geht es bei ihr, die man gut als temperamentvolles 1,58 Meter großes Humor-Kraftpaket beschreiben kann, um die komplizierten Beziehungen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Vor allem dann, wenn Alkohol im Spiel ist. „Sind Frauen betrunken, kommen ihnen die besten Ideen. Männer hingegen stellen dann das Denken ein“, witzelte sie und der Saal brach in Gelächter aus. Das kommt auch prompt, als sie über das „Meenzer Woifest“, das Mainzer Weinfest, sinnierte – ihre Gedanken teilte sie dabei aber natürlich lautstark mit dem Publikum.

 

„Woi, des is‘ a schee‘ Sach‘“, meinte Feldmann, die keinen Hehl daraus machte, selbst ab und zu dem Alkohol zugeneigt zu sein. Als Hessin bevorzuge sie dann aber eher Bier, und dass sie den „Woi“ nicht gut vertrage, zeigte sich beim letzten Weinfest. „Da hielt ich doch glatt den Erzbischof für den Erdbeerschorsch‘.“ Zwischendurch bediente Feldmann, deren Markenzeichen unter anderem die igel-ähnliche und blondierte Kurzhaarfrisur ist, immer wieder ihr kleines Tasteninstrument. Dann ertönten passende Ton-Schnipsel und kurze Liedeinspielungen bekannter Schlager und Pop-Klassiker – stets die aktuelle Stimmung im Saal aufgreifend.

Natürlich durfte auch ABBAs Kulthit „Super Trouper“ nicht fehlen, den Feldmann in ein Lied über „Super-Tupper-Schüsselsche“ verwandelte. Viele Zuschauer zeigten sich textsicher und bewiesen: Schon öfter hatten sie Auftritte des Humor-Kraftpakets besucht. Feldmann ist mit einer entwaffnenden Spontaneität und einem erstaunlichen Improvisationstalent ausgestattet, das sie auch im Lilien-Palais voll ausschöpfte. Kommen spontane Antworten auf Feldmanns Publikumsfragen („Wer kommt aus Wiesbaden?“) genügen ihr wenige Sekunden, um das Gesagte in einen frechen Witz zu verwandeln und ins Programm einzubauen. Nach der Pause war einigen Zuschauern Erleichterung anzusehen, dass Feldmann ihre „Drohung“, sie komme mit ihrem „Glitzerbikini aus der Pause auf die Bühne“, nicht wahr gemacht hatte.

Nach etlichen selbstironischen Anspielungen auf ihre Figur („Ich hab‘ die Wiesbadener Figur: 1. Ring, 2. Ring, Äppelallee“), Reggae-Rasta-Einlagen mit Bob-Marley-Mütze und unterhaltsamen musikalischen Kabinettstückchen (etwa ein wahrlich herzergreifendes „Ave Maria“) war Schluss mit der lebhaften, leidenschaftlichen Feldmann-Gala, bei der kein Auge trocken blieb. Weder Mainzer noch hessische.