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Einblick in die Bandbreite des sozialen Elends

02.03.2015 Kastel Allgemeine Zeitung

Von Norbert Fluhr

KABARETT Wahl-Mainzer Michael Eller berichtet in seinem Programm von Begegnungen mit Menschen aus allen Schichten

Premierenstimmung im Lilienpalais: Am Freitag präsentierte der Wahl-Mainzer Comedian Michael Eller sein nagelneues Programm „Ich geh’ dann mal... zu weit“ in seiner fiktiven Biker-Kneipe. Seit mehr als zehn Jahren ist der gelernte Versicherungskaufmann auf den bundesdeutschen Kleinkunstbühnen unterwegs, gastierte bei TV-Auftritten wie „Nightwash“ und anderen Comedy-Shows. Im vergangenen Jahr belegte der stämmige Mittvierziger den zweiten Platz bei Mannheim Comedy-Cup. Beim „Road-Trip seines Lebens“ fährt er im realsatirischen Genre, bedient sich mancher plakativen Betrachtung im Comedy-Habitus. Der Fangemeinde gefällt es.

 

Angedeutete Kritik

Da kommen Erinnerungen an den mobilen Easy-Rider-Trend der 1970er Jahre auf. Das „Bonanza-Rad“ schlägt hohe Wellen. Da erinnert sich Eller an seine Kumpels, allen voran an „Koma-Kalle“. Ein Saufkumpan, der es bei den geselligen Ausritten zuweilen hinsichtlich seines Alkoholkonsums dann doch etwas übertreibt. Gesellschaftskritische Sentenzen, die Eller aber nicht weiter vertieft. Dass der Comedian von seinem beruflichen Werdegang geprägt ist, wird im Verlauf seines Programms deutlich. Freimütig bekennt Eller, dass er als Versicherungsvertreter die „ganze Bandbreite des sozialen Elends“ kennengelernt hat. Ein Verkaufstalent zweifelsohne, das aber die Fähigkeiten künstlerisch zu nutzen weiß. Und so entschloss sich der Comedian vor vier Jahren, die „sieben Weltmeere“ zu bereisen. Auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“ hat er als Animateur angeheuert und unterhält sein vergnügungssüchtiges Publikum.

Begegnungen mit Menschen aus allen sozialen Schichten, die Eller fein säuberlich notiert hat und zum Besten gibt. Da beginnt vielfach schon der Spaß beim „Auslaufen“ des Schiffes. Seetage, die für den Animateur aber auch zur Tortur werden können. Gedränge am Buffet, Verhaltensweisen, die mittschiffs als normal erscheinen, aber auch Alltagssituationen auf dem „Festland“ beschreiben.

Liebevoll nimmt sich Eller da einen schwäbischen Familienvater vor, der an Bord seinen Sättigungsgrad kaum zu bremsen weiß. Die Lacher hat der Stand-up-Comedian auf seiner Seite, wenn der befragte Tourist erklärt: „Ich futtere so lange, bis mer de Reisepreis roigefresse han.“ Zuweilen agiert der Animateur auch als „Aushilfs-Scout“, wenn die Touristen an Land gehen. Angst vor fremden Tieren brauchen die Gäste nicht zu haben. Eller ist aber nicht nur mit dem Schiff unterwegs. Über das soziale Verhalten mancher Urlauber an Bord von Flugzeugen kann der Comedian ebenfalls klagen.

Ärger mit dem Tattoo

Wie wohltuend ist es, nach einem strapaziösen Reiseprogramm wieder in der gewohnten Biker-Kneipe zu gastieren. Ein Gutmensch wie Eller fühlt sich jedenfalls in diesem Milieu am Wohlsten. Menschen sollte man – so seine Philosophie – nicht nach Äußerlichkeiten beurteilen. Und so braucht auch „Koma-Kalle“ nicht zu befürchten, ausgegrenzt zu werden. Der hatte allerdings Ärger mit seinem Tätowierer, der einen „Buchstaben zuviel“ auf die stolze Männerbrust seines Kunden „eingebrannt“ hatte. „Mutti ist die Bestie“, lautet der vermeintlich stolze optische Hinweis, der fortwährend für Irritationen sorgt.